Verbesserung der Juristenausbildung - "Integriertes Praktikum"

Die deutsche und insbesondere die bayerische Juristenausbildung genießt einen sehr guten Ruf. Studium und Vorbereitungsdienst sind auch in vielfältiger Weise international ausgerichtet.

Ungeachtet des anerkannt hohen Niveaus der Juristenausbildung in Bayern sah die Arbeitsgruppe Verbesserungsmöglichkeiten bei der Praxisorientierung. In der Arbeitsgruppe vertretene Praktiker wiesen darauf hin, dass manche Absolventen selbst nach der Zweiten Juristischen Staatsprüfung zu wenig Verständnis für die Besonderheiten der praktischen juristischen Tätigkeit hätten. Insbesondere die Anwendung des theoretischen Wissens in der konkreten Beratung und Mandatsbearbeitung bereite vielen Berufsanfängern Schwierigkeiten. Zudem hätten viele junge Juristinnen und Juristen selbst nach dem Vorbereitungsdienst unzureichende Vorstellung davon, für welchen Beruf sie geeignet seien bzw. ob der gewählte Beruf ihren persönlichen Interessen entspreche. 

Die Arbeitsgruppe war sich einig, dass die Stoffmenge und die zeitliche Dauer der Juristenausbildung nicht ausgedehnt werden soll. Verbesserungen sollten innerhalb des bestehenden Systems erreicht werden, ohne die Ausbildung zu verlängern. Dazu hat die Arbeitsgruppe verschiedene Maßnahmen diskutiert und vorgeschlagen. Davon wurde insbesondere der Vorschlag eines "Integrierten Praktikums" von der Plenarversammlung aufgegriffen. 

Der Grundgedanke des "Integrierten Praktikums" besteht darin, Studierende bereits im Verlauf des ersten Studiensemesters mit den Anforderungen der Praxis in Berührung zu bringen. Dieses Zusatzangebot wird in den Veranstaltungsplan der Fakultät integriert, so dass die Studierenden dafür keine zeitlichen und örtlichen Abstimmungsprobleme haben. Pilotiert wurde das "Integrierte Praktikum" zunächst an der Universität Augsburg. 

Ursprünglich hatte die Juristische Fakultät der Universität Augsburg das "Integrierte Praktikum" für das Sommersemester 2011 zur Bewältigung des doppelten Abiturjahrgangs und des Wegfalls der Wehrpflicht konzipiert. Um den Absolventen des sog. G 9 einen ausnahmsweisen Start zum Sommersemester 2011 attraktiver zu machen, konnten Studienanfänger bereits während der Vorlesungszeit des ersten Fachsemesters daran teilnehmen. 

Dabei sorgte die Juristische Fakultät in der Stundenplangestaltung dafür, dass die praktischen Ausbildungsteile sich nicht mit den herkömmlichen, im Sommersemester 2011 ausnahmsweise in Auswahl für Anfänger eingerichteten Vorlesungsprogrammen, überschnitten. Um das Praktikum darüber hinaus zu erproben, hat die Universität Augsburg die einzelnen Veranstaltungen fortgesetzt. 

Durchführung und Erfolg des Augsburger Modells wurden wiederholt im Rahmen der Plenarsitzungen der Initiative vertieft diskutiert. Das Landesjustizprüfungsamt sagte zu, das Modell unter folgenden Rahmenbedingungen als Praktikum im Sinne der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Juristen (JAPO) anzuerkennen:

  • Der "echte Praxisbezug" des "Integrierten Praktikums" muss mindestens 50 % der Praktikumsbestandteile betragen, 
  • diese Praktikumszeiten werden ausschließlich in den Semesterferien angeboten, 
  • die Teilnahme am "Integrierten Praktikum" wird mit maximal einem Monat auf die zu absolvierende Praktikumszeit (insgesamt drei Monate) angerechnet.
  • die universitären Veranstaltungen zum "Integrierten Praktikum" können frühestens im zweiten Fachsemester beginnen.

Auch die Juristische Fakultät der Universität Würzburg bietet das Integrierte Praktikum ihren Studentinnen und Studenten inzwischen an.